Schreiben

Wie du ganz einfach in altertümlicher Sprache schreibst

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Seid gegrüßt, verehrte Freunde, tretet ruhig näher! Heute widmen wir uns der gar rätselhaften Frage, wie die guten Leute in deiner Geschichte in altertümlicher Sprache zu sprechen vermögen. Dies mag auf den ersten Blick ein schwieriges Unterfangen sein, doch zaudert nicht: Mit ein paar Kniffen ist euch der Erfolg gewiss.

Ja, ich gebe es zu: altertümlich zu schreiben, ist anstrengend. Deshalb werde ich ab hier aus purer Faulheit wieder „normal“ weiterschreiben und euch lieber ein paar Tipps an die Hand geben, wie ihr dafür sorgen könnt, dass die Ritter in eurem Fantasy-Roman, eure historischen Hauptpersonen oder eure fünfhundertjährigen Vampire angemessen sprechen.

Tipp 1:

Studiere Primärliteratur, also Originalwerke aus der jeweiligen Epoche, mit der du dich befassen willst. Dies können alte Tagebücher, Briefe oder Zeitungsartikel sein, Zeitzeugenberichte von besonderen Ereignissen oder auch alte Klassiker der Weltliteratur. Dies ist vermutlich die beste Möglichkeit, die Sprache von damals unmittelbar kennen zu lernen und deine Geschichte dementsprechend anzupassen.

Tipp 2:

Beschäftige dich mit historischen Romanen, Filmen, Sekundärliteratur, etc. Beachte dabei, dass es sich dabei nicht um Originalwerke aus der vergangenen Zeit handelt, sondern um moderne Werke, welche die damalige Epoche nur abbilden. Der Vorteil bei dieser Methode ist, dass dir die Recherchearbeit erspart und der Stoff unterhaltsam aufgearbeitet wird. Denke aber immer daran, dass diese modernen Interpretationen nicht unbedingt akkurat und gut recherchiert sind – auch, was die Sprache betrifft.

Tipp 3:

Erweitere deinen Wortschatz. Veraltete Begriffe sind oftmals in Vergessenheit geraten. Gerade diese urigen Wörter sorgen aber dafür, dass aus einem modernen Satz eine altertümlich anmutende Aussage wird. Deshalb googel (google?) veraltete Begriffe und Ausdrücke, oder noch besser: Schlage sie in antiquierten Wörterbüchern und Synonym-Wörterbüchern nach.

Tipp 4:

Wenn möglich, hör dir eine Ton- oder Filmaufnahme aus der entsprechenden Zeit an. Dadurch lernst du den Klang der damals üblichen Sprache kennen. Denn die Menschen gebrauchten früher nicht nur andere Wörter, sie sprachen oftmals auch mit einer anderen Betonung und Sprachmelodie.

Tipp 5:

Scheue nicht davor zurück, im Zweifel einen Experten zu fragen. Wenn du dir nicht sicher bist, ob ein bestimmtes Wort im Jahre 1800 schon geläufig war und auch deine Recherche dir nicht weiterhilft, frag jemanden, der sich auskennt. Experten sind zum Beispiel Geschichtsprofessoren und Geschichtslehrer, Archäologen, Sprachwissenschaftler und natürlich Zeitzeugen. Die meisten Leute freuen sich, wenn sie ihr Wissen mit jemandem teilen können, der sich dafür interessiert.

Tipp 6:

Verbringe generell viel Zeit „in dieser Epoche“, um ein Gefühl dafür zu erlangen, wie die Menschen damals lebten, dachten und sprachen. Je mehr du dich anhand von Schriften, Filmen, Tonaufnahmen etc. damit beschäftigst, umso mehr wirst du dich an die ungewohnte Sprache gewöhnen. Sehr wirkungsvoll ist es auch, sie selbst zu sprechen, zum Beispiel auf einem Mittelaltermarkt.

Tipp 7:

Ein eher allgemeiner Ratschlag, den man auch vernachlässigen kann – es ist manchmal ratsam, sich eine Epoche auszusuchen, aus der noch viel Material erhalten ist. Gerade am Anfang, wenn du zum ersten Mal eine Romanfigur in historischer Manier sprechen lassen möchtest, such dir eine Zeitepoche aus, über die wir heutzutage viel wissen, sodass du genügend Textmaterial finden kannst. Dazu gehören z.B. das 20. Jahrhundert in Europa, die Zeit der Industrialisierung, die Kolonialisierungszeit in Amerika, aber auch antike Schriften aus Rom und Griechenland… Dagegen dürfte es ungleich schwieriger sein, herauszufinden, wie die mittelalterlichen Azteken sprachen und kommunizieren.

 

Das ist ja alles schön und gut, aber was, wenn ich partout nicht herausfinden kann, ob im mittelalterlichen Frankreich das Wort „Portemonnaie“ schon geläufig war?

Ganz ehrlich: Scheiß drauf!

Solange die historische Atmosphäre und der allgemeine Sprachgebrauch passen und du nicht gerade eine Doktorarbeit über die französische Sprache im Mittelalter schreibt, wird dir niemand einen Strick daraus drehen, ob dieses einzelne Wort historisch korrekt ist oder nicht. Insofern ist es manchmal sogar einfacher, Epochen und Orte zu wählen, von denen kaum Textmaterial vorhanden ist – du kannst schreiben, wie du willst, und niemand kann behaupten, es sei falsch.

Also: Bleib locker. Recherche ist hilfreich, aber ein guter Roman definiert sich nicht über die Recherche, sondern über die Geschichte. Außerdem soll Schreiben Spaß machen. Und glaub mir: altertümlich zu schreiben, ist zwar manchmal knifflig, wenn man händeringend nach den richtigen Worten sucht; aber es macht auch verdammt Spaß!

Und zu guter Letzt noch ein paar Links speziell für die mittelalterliche Sprache, die dir beim Schreiben helfen oder dich inspirieren können, wenn es mal gar nicht weitergeht:

Mittelalter-Sprache

Mittelalter-Netz

Viel Spaß!

2 Kommentare zu „Wie du ganz einfach in altertümlicher Sprache schreibst

  1. Wertes Fräulein Antje,
    mir gefällt es wohl, altertümlich zu schreiben, denn es ist mir eine helle Herzenslust und Freude, solcherart mit Worten zu balancieren … 😉

    Wahrlich erfahre ich an mir selbst, daß etwelche Klassikerlektüren unvermeidlich auf den Stil meiner Buchbesprechungen abfärben.
    Kürzlich las ich mit vergnüglichem Genuß Laurence Sternes „Leben und Ansichten des Tristram Shandy, Gentleman“ und im Verlaufe meiner Rezension hatte sich meine Wortwahl dem gelesenen Werke anverwandelt – nachzulesen – falls Ihr dazu geneigt seid – unter nachfolgendem Linkgewinke:

    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/03/18/leben-und-ansichten-von-tristram-shandy-gentleman-buchausgabe/

    Mit verbindlicher Empfehlung
    Ulrike Gräfin Silberhaar von Leselebenszeichen

    Gefällt 1 Person

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