Bücherwelt

#WritingFriday – Buchhandlung oder Bibliothek?

Writing Friday
Ich fürchte, dieser Post wird ein bisschen den Rahmen sprengen…

Heute geht es nämlich um ein Thema, zu dem ich alle paar Jahre meine Meinung regelmäßig ändere. Daher wird das hier auch keine Streitschrift für die eine oder die andere Position, sondern eher eine Abwägung des Pro und Contra, ganz im Sinne der WritingFriday Schreibaufgabe:

„Erstelle eine Pro und Contra Liste zum Thema ‚Im Buchladen einkaufen vs. Bücher in Bibliothek ausleihen‘ – welche Seite gewinnt?“

Let the battle begin!

Argumente FÜR die Buchhandlung:

Bücher besitzen wollen

Unter Bücherwürmern ist eine gewisse Sammelleidenschaft gang und gäbe, ja, sie scheint sogar Voraussetzung zu sein, sich als echter Bücherliebhaber betiteln zu dürfen. Auch wenn ich diese Marotte kritisch sehe, da ich generell lieber ausmiste statt sammele und einen gewissen Minimalismus im Leben befreiend finde, kann ich dennoch nachvollziehen, dass man zumindest die allerliebsten Lieblingsbücher besitzen will, um sie immer wieder zu lesen, seinen Freunden auszuleihen und sich einfach an ihrem Anblick im Bücherregal zu erfreuen. Oder wenn man sich eine kleine Hausbibliothek alter Klassiker anlegen möchte, die nie aus der Mode geraten. Und ganz besonders wichtig ist das Besitzen natürlich bei unbekannten Büchern, die in kleinen Auflagen erscheinen, womöglich in einem winzigen Eigenverlag, sodass man nicht weiß, in wie vielen Jahren diese Titel überhaupt noch auf dem Buchmarkt erhältlich sein werden.

Bücher als Geschenke

Dies geht Hand in Hand mit dem „Besitzen wollen“, denn Bücher sind einfach ein tolles Geschenk. Meinetwegen auch ein Büchergutschein. Eine Büchereimitgliedschaft hingegen kann man höchstens einmal verschenken.

Neuerscheinungen

Natürlich erhalten auch Bibliotheken die neusten Titel immer wenige Tage nach dem Erscheinungstermin, doch die Buchhandlungen haben diese stets am schnellsten parat und haben außerdem größere Stückzahlen auf Lager. Und falls der neue Bestseller doch schon ausverkauft ist, können die Buchhandlungen diesen sofort nachbestellen, während man sich in Bibliotheken, wenn man Pech hat, auf ellenlange Wartelisten eintragen muss (so kenne ich das noch aus der Harry-Potter-Zeit).

Zustand der Bücher

Ich habe viele Jahre lang fast gar keine Bücher gekauft, sondern nur geliehen, und leider ließ der Zustand der Bibliotheksbücher manchmal zu wünschen übrig. Die Seiten hatten Eselsohren, manche lösten sich aus dem Einband, welcherschon ziemlich abgestoßen aussah, und einige Seiten hatten sogar Risse, Flecken oder waren klebrig. Und allein das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, das schon unzählige, unbekannte Personen mit schmierigen Fingern vorher durchgeblättert haben, ist nicht jedermanns Sache. Dagegen sind die Bücher in einer Buchhandlung praktisch einwandfrei, wurden nur von ein paar Buchhändlern und Kunden angefasst oder stecken sogar in einer verschweißten Plastikhülle, sodass das Buch noch unberührt ist. Man kann über diese Plastikverschwendung sagen, was man will – für einen wahren Bücherfetischisten hat es trotzdem eine geradezu erotische Magie inne, die Verschweißung eines jungfräuliches Büchleins aufzureißen, den Duft der frischen Papierseiten einzuatmen und dem leisen Knacken des Bücherrückens zu lauschen, wenn man den Einband zum allerersten Mal aufklappt… *sabber* Alte, abgewetzte Bibliotheksbücher haben zwar auch einen gewissen Vintage-Charme, aber das ist Geschmackssache.

Schnelligkeit der Bestellungen

Ein Tag Lieferzeit ist Standard. Ganz klar, damit kann niemand mithalten – weder Amazon, noch Bibliotheken. Wobei ich der Fairness halber hinzufügen muss, dass man in Bibliotheken selten Bestellungen aufgeben muss, da sie einfach von vornherein eine viel größere Auswahl auf Lager haben.

Kein Zeitdruck beim Lesen

Die Bücher aus der Bücherei muss man innerhalb weniger Wochen zurückgeben, und wenn man einen großen Stapel mitgenommen hat, sitzt einem die Zeit im Nacken. Bücher aus der Buchhandlung hingegen kann man so lange behalten, wie man will, man kann sie lesen, sobald man wirklich Zeit dafür hat, sie laufen ja nicht weg. Man muss nicht ständig auf den Kalender schielen und daran denken, die Bücher zurückzugeben, muss nicht andauernd Bücherstapel von der Bibliothek nach Hause und wieder zurück schleppen, und drohende Überzugsgebühren fallen auch nicht an. Es ist also eine Zeitersparnis, die Bücher in der Buchhandlung zu kaufen.

Entertainment

Eine Büchhandlung ist nicht einfach nur ein „Supermarkt“ für Bücher, es ist ein Erlebnisort. In jeder guten Buchhandlung gibt es mehrmals monatlich, wenn nicht sogar wöchentlich Aktionen wie Lesungen, Bücherpartys, Bilderbuchkino, Signierstunden, Verkostungen und vieles mehr. Natürlich sorgen auch Bibliotheken regelmäßig für Entertainment, jedoch längst nicht so häufig und vielseitig wie die Buchhandlungen. Logisch, schließlich müssen Bibliotheken keinen solchen Konkurrenzkampf untereinander ausfechten und die Kunden mit immer neuen Aktionen locken.

Erhalt der Buchhandlungen

Eins ist klar: In der Innenstadt gehören Buchhandlungen einfach zum Stadtbild dazu. Die liebevoll und kreativ dekorierten Schaufenster laden zum Verweilen ein und ich persönlich schaffe es selten, ohne Zwischenhalt einfach an einer Buchhandlung vorbeizulaufen, auch wenn ich eigentlich ganz andere Erledigungen zu tun habe. Sie sind wie Oasen in den hektischen Innenstädten, wie kleine Verschnaufspausen. Selbst Shoppingqueens, die auf der Jagd nach dem nächsten Paar Sommerschuhe sind und mit Büchern nichts am Hut haben, würden mir sicherlich zustimmen, dass ohne die Buchhandlungen irgendetwas im Stadtbild fehlen würde. Und nicht zuletzt (jetzt kommt ein typisches Politiker-Argument) sichern die Buchhandlungen auch einige Arbeitsplätze im Einzelhandel.

 

Argumente FÜR die Bibliothek:

Finanzieller Vorteil

Ganz klar ein Totschlagargument: Wo sonst kann man so viele Bücher lesen, wie man will, ohne etwas dafür zu bezahlen? Gut, abgesehen von einem kleinen Mitgliedsbeitrag, aber der ist doch verschwindend gering, wenn man bedenkt, wie viel Geld man in einer Buchhandlung für dieselben Massen an Lesestoff ausgeben würde.

Kein Risiko

Jeder kennt das, wenn man ein schlechtes Buch gekauft hat und sich hinterher darüber ärgert: „Und für den Mist hab ich auch noch neunzehn Euro hingeblättert!“, schimpft da der enttäuschte Bücherwurm. In der Bibliothek jedoch gibt es kein solches Risiko. Was nicht gefällt, wandert nach ein paar Wochen einfach wieder zurück und man ist den Schmarrn endlich los.

Große Auswahl

Dass Bibliotheken eine größere Auswahl als Buchhandlungen haben, liegt auf der Hand. Sie haben von einem Titel oft nur kleine Stückzahlen auf Lager, im Gegensatz zu den Buchhandlungen, auf deren Verkaufstischen sich der neuste Bestseller in riesigen Stückzahlen stapelt. Außerdem führen Bibliotheken auch alte, ungewöhnliche und sehr spezielle Titel, die sich in Buchhandlungen einfach nicht oft genug verkaufen würden, als dass es sich lohnte, sie ständig parat zu haben. Natürlich können Buchhändler die meisten Titel zum nächsten Tag bestellen, aber manche alten Bücher sind einfach nicht mehr lieferbar. Wer also nach stillgelegten Titeln sucht oder nach Fachbüchern zu seinem ungewöhnlichen Nischen-Hobby, der ist in Bibliotheken in der Regel besser aufgehoben.

„Seriöser“

Dieser Punkt ist mit Vorsicht zu genießen, da (die meisten) Buchhandlungen natürlich keineswegs unseriös sind. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass praktisch alle Buchhandlungen, wenn es nicht gerade Fachbuchhandlungen sind, sich auf den Schwerpunkt der Unterhaltungsliteratur festgelegt haben. Selbst ihre Sachbücher sind meist „populäre Sachbücher“, dienen also auch in erster Linie der Unterhaltung, nicht etwa dem Studium oder der Forschung. Bibliotheken hingegen besitzen standardmäßig große Abteilungen mit Sach- und Fachbüchern zu Themen wie Naturwissenschaften, Geschichte, Politik, Medizin, Philosophie und anderes.

Kein Ballast

Wer kein leidenschaftlicher Büchersammler ist, weil er zum Beispiel oft umzieht oder nur Lieblingsbücher behalten will, hat bei Bibliotheken natürlich einen großen Vorteil. Nie wieder Bücher ausmisten, nie wieder Stauraumprobleme, nie wieder beim Umzug Bücherkisten schleppen, nie wieder die Frage, wohin mit den alten Büchern, die man nicht mehr behalten will. Außerdem: Warum sollte man so viel Geld ausgeben für Bücher, die man nur einmal liest und dann aussortiert? Dann doch lieber Leihbücher.

Es geht nicht (nur) ums Geld

Manchmal hört man von verdrossenen Bücherkäufern die Klage, die Buchhändlerin habe ihnen mit falschen Versprechungen einen Ladenhüter angedreht, der ganz schrecklich zu lesen sei, oder sie genötigt, ein Buch zu kaufen, dass sie eigentlich gar nicht wollten. Zwar frage ich mich immer, ob diese Geschichten wirklich stimmen und wenn ja, in welchen furchtbaren Buchhandlungen diese Kunden bloß einkaufen, wo die Buchhändler scheinbar ihre gute Kinderstube (sprich: Berufsschule) völlig vergessen haben, aber auszuschließen ist es natürlich nicht, dass so etwas passieren kann. Wenn es zum Beispiel eine kleine, inhabergeführte, insolvenzbedrohte Buchhandlung ist, die sich mit allen Mitteln über Wasser halten muss, könnte ich mir tatsächlich vorstellen, dass manche Ladenbesitzer und Buchhändler zu solchen verwerflichen Verzweiflungstaten schreiten würden, um ihren Job nicht zu verlieren. Doch ganz egal, ob diese Geschichten stimmen oder nicht – in Bibliotheken hat man dieses Problem gar nicht. Der Bibliothekarin ist es egal, ob du zwei oder fünf Bücher mitnimmst, schließlich hängt ihr Lebensunterhalt nicht davon ab. Und auch, wenn man manchmal sagt, Konkurrenz belebe das Geschäft, so ist es doch ein gewisser Vorteil der Bibliotheken, dass sie eben nicht auf die Art miteinander konkurrieren, wie Buchhandlungen es tun, und dass sie nicht vom Geld des Kunden abhängig sind. (Auch wenn man dies genauso gut als Nachteil auslegen könnte, nach dem Motto: „Die Bibliothekare brauchen ja unser Geld nicht, kein Wunder, dass sie sich keine Mühe mit ihren Kunden geben!“ – zickiges Kundenzitat frei erfunden.)

Zeitlimit beim Lesen

Was ich oben als Nachteil der Bibliotheken ausgelegt habe, könnte man auch als deren Vorteil betrachten. Denn wie ärgerlich ist es, wenn man zu Hause einen Riesenstapel ungelesener Bücher herumliegen hat, die man schon vor Ewigkeiten (fertig-)lesen wollte? Bei Bibliotheksbüchern gibt es jedoch nur zwei Möglichkeiten: Entweder man liest das Buch innerhalb der angegebenen Frist durch, oder eben nicht. Das kann sicherlich stressen, aber auch zum Lesen motivieren.

Nachhaltigkeit

Ist eigentlich selbsterklärend, oder? Bibliotheksbücher sind nicht eingeschweißt, verursachen also weniger Plastikmüll, sie bleiben immer im Umlauf, sodass die Bibliothek nicht ständig neue Bücher bestellen muss, dadurch müssen weniger Bücher gedruckt und transportiert werden, was wiederum die Umwelt schon. Und auch die Vergabe von Plastiktragetüten habe ich in einer Bibliothek noch nie gesehen, also nimm immer brav deinen Hippie-Jutebeutel mit.

 

Konklusion

Wie gesagt, einen richtigen Gewinner gibt es meiner Meinung nach nicht. Eigentlich wollen wir doch alle nur eins: Bücher lesen! Und ob wir diese Bücher gekauft, geliehen, geschenkt bekommen, aus einem kommunalen Bücherschrank genommen, auf der Straße gefunden, als Hörbuch gehört, online oder als E-Book gelesen haben, ist letztendlich zweitranging. Natürlich bin ich froh, meine Lieblingsbücher im Regal stehen zu haben, und ja, ich habe tatsächlich auch eine kleine Klassiker-Sammlung begonnen. Aber genauso, wie ich mich über die Bücher freue, die ich besitze, freue ich mich auch darüber, dass ich einige eben nicht mehr besitze – oder nie besessen habe, wenn es Bibliotheksbücher waren. Man muss ja nicht jedes Buch behalten. (Nein, wirklich nicht.)

Darum lebe ich zurzeit einen Kompromiss: Die meisten Bücher leihe ich mir erstmal aus der Bibliothek, und nur, wenn sie mir so gut gefallen, dass ich sie auf jeden Fall nochmal lesen will, dann kaufe ich sie für mein Bücherregal. Ich will doch schließlich nicht, dass meine Lieblingsbücher in einem Meer aus mittelmäßigen Büchern verschwinden, oder? Ich finde, alle Büchersammler, die unbedingt jedes einzelne Buch „BESITZEN MÜSSEN“, sollten sich diese Frage stellen und es vielleicht einmal mit der Bibliothek ausprobieren, anstatt die allgemein akzeptierte und oft glorifizierte Definition „Bücherwurm = exzessiver Büchersammler“ kritiklos zu übernehmen.

Denn letztendlich leben die Bücher sowieso in unserem Herzen weiter, und das ist es doch, was wirklich zählt.
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4 Kommentare zu „#WritingFriday – Buchhandlung oder Bibliothek?

  1. Hey,
    sehr umfangreiche interessante Liste. Vor allem der Erhalt der Buchhandlungen im Stadtbild liegt mir sehr am Herzen. Deswegen würde ich auch nie Bücher im Internet bestellen.
    Mit deiner Schlussfolgerung hast du auf jeden Fall Recht.
    Grüße, Katharina.

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  2. Schöne Liste und Aufstellung, der ich nicht widersprechen kann. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Ich weiß, dass ich als Kind und Jugendliche die Büchereien / Bibliotheken geliebt habe. Sie waren mein zweites Zuhause. Seit ich Geld versdiene, kaufe ich meine Bücher, entweder neu oder gebraucht. Und doch vermisse ich dieses Gefühl, in die Bibliothek zu gehen und zu stöbern, so richtig ausufernd. Wenn meine Kinder etwas größer sind, werden wir einen Bibliotheksausweis machen und dann mal sehen. Vielleicht ändere ich mein Verhalten wieder und leihe mehr als dass ich kaufe. 🙂
    GlG, monerl

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    1. Gerade für Kindern und Jugendlichen finde ich Büchereien auch sehr sinnvoll. Kinder- und Jugendbücher hat man ja immer ziemlich schnell durchgelesen. Außerdem wächst man aus den Büchern oftmals auch schnell wieder raus (nach meiner Erfahrung). Und ich fand es immer toll, dass man praktisch so viele Bücher mitnehmen kann, wie man will, ohne dass Mama meckert bzw. ohne dass man sein gesamtes Taschengeld dafür ausgibt 😀 Als Kind fand ich Bibliotheken unschlagbar!

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