Schreiben

#WritingFriday – Ein Pirat auf dem Balkon

Writing Friday

Es ist wieder Zeit für den Writing Friday. Wer das Projekt noch nicht kennt, schaut am besten mal auf Elizzys Blog vorbei, die den Writing Friday ins Leben gerufen hat und uns jeden Monat mit neuen Writing Prompts versorgt. Dort werden auch die Regeln erklärt. Das System ist simpel und jede*r Interessierte kann jederzeit einsteigen.

Ich habe mir für den heutigen Text folgende Aufgabe ausgesucht:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als…“ beginnt.

Ich muss gestehen, diesmal habe ich mich wirklich schwergetan. Ein paar langweilige Ideen hatte ich, aber keine brauchbare Inspiration weit und breit. Erst eine Stunde vor Mitternacht kam mir plötzlich ein Geistesblitz, frei nach dem Motto: When in doubt, write a Raven House sidestory! (Der Spruch reimt sich zwar nicht, ist aber trotzdem mein Lebensmotto. Es rettet mir einfach immer wieder den Arsch!)

Ja, richtig gehört, diese Kurzgeschichte ist eine Sidestory zu meinem Roman Raven House. Natürlich habe ich sie so geschrieben, dass man sie auch versteht, wenn man den Roman nicht gelesen hat. Auch Spoiler habe ich vermieden, falls einer von euch Raven House noch lesen will… (wenn ja, dann bitte unauffällig hier entlang) 😉

Jetzt wünsche ich euch erstmal viel Spaß beim Lesen und ich freue mich natürlich wie immer auf eure konstruktive Kritik! 🙂

 

Ein Pirat auf dem Balkon

Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als die beiden Vogeldamen zu umwerben. Dass er ein Papagei war und seine zwei Angebeteten Waldkäuzchen, störte ihn ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie sich nicht die Bohne für seinen Balzgesang interessierten. Stets öffneten sie nur ein halbes Auge, schuhuten ihm zu, er solle von der Balkonbrüstung verschwinden, und versuchten, in ihrem kleinen Eulenverschlag auf dem Balkon weiterzuschlafen. Völlig unbeeindruckt. Zugegeben, seine schwungvollen Ständchen waren auch etwas gewöhnungsbedürftig:

„Oppa Gangnam Style! Krahh!“

„Nicht schon wieder dieser verdammte Vogel!“, ächzte Five und starrte das Tier durch die Fensterscheibe böse an. Der Papagei ließ sich davon nicht abschrecken, hüpfte weiter auf der Balkonbrüstung hin und her und schrie die schlafenden Eulen an: „Heeeyyy, sexy Lady!“

Vlad, der mit seinem Freund Five auf der Couch lümmelte und eigentlich einen gemütlichen Abend verbringen wollte, seufzte lautlos. Das Spektakel mussten sie schon seit drei Tagen ertragen. Anfangs war es noch lustig gewesen und sie hatten den Papagei Pirat getauft, doch inzwischen hatten sie alle den Vogel satt. Er, Five und die beiden Balkoneulen Toffi und Fee. „Wenn ich nur wüsste, wie wir ihn einfangen könnten…“, murmelte Vlad.

Sie hatten schon alles versucht. Eigentlich hatten sie gedacht, für einen Vampir und einen Werwolf mit übernatürlichen Kräften müsste es ein Leichtes sein, einen nervigen Papagei einzufangen, doch das stellte sich als Fehlschluss heraus. Egal, wie schnell sie die Balkontür aufrissen und sich auf den Ruhestörer stürzten, er flatterte stets so schnell davon, dass sie ihn nicht zu greifen bekamen. Sie hatten Tricks ausprobiert, hatten sich unter den Balkonmöbeln versteckt und versucht, den Vogel mit einer großen Decke einzufangen. Sie hatten eine Falle aufgestellt, eine Kiste mit Leckerlis darin, deren Tür sie blitzschnell zuschlagen wollten, doch Pirat war zu schlau dafür, auf solche Tricks hereinzufallen. Auch Tierheimmitarbeiter und Feuerwehrmänner waren schon hier gewesen. Niemand hatte den Vogel zu greifen bekommen.

Kraah! Everybody dance now!“, schmetterte Pirat aus voller Kehle.

Five sprang auf. „Mir reicht’s!“

„Was hast du vor?“ Verdattert lief Vlad ihm hinterher.

„Ich werde auf den Baum gegenüber klettern, auf den Balkon springen und den Vogel fangen, wenn er nicht damit rechnet! Ganz einfach!“

„So einfach klingt das aber nicht! Vergiss nicht, du bist ein Werwolf, keine Werkatze!“, erwiderte Vlad besorgt, schließlich lag die Wohnung im fünften Stock. Zwar war Five schon einmal vom Balkon gesprungen, ohne Verletzungen davonzutragen, aber das bedeutete nicht, dass er es unbedingt wiederholen musste.

Sein tollkühner Freund jedoch war schon zur Tür hinaus. „Halte an der Balkontür Wache! Falls mir das Mistvieh entwischt, musst du es fangen!“, rief er, bevor er die Treppen hinunterrannte. Vlad blieb nichts anderes übrig, als dem Befehl zu folgen.

Doch auch diesmal hatten sie keinen Erfolg. Kaum, dass Five aus der Baumkrone sprang, flatterte der Vogel mit einem wütenden „Hakuna Matata!“ davon. Five war ohnehin ungeschickt abgesprungen, klatschte gegen die Balkonbrüstung, fand keinen Halt und stürzte in die Tiefe. Erschrocken stürmte Vlad auf den Balkon, als er den Aufprall hörte. „Five, geht es dir gut?“

„Bestens“, kam es griesgrämig aus einem Laubhaufen. Wenigstens war er weich gelandet. So dachte Vlad zumindest, bis er ihn „Aua! Scheiß Igel!“ schreien hörte. Über ihren Köpfen kreiste Pirat und trällerte: „Hakuna Matata! Diesen Spruch sag ich gern!“

„Na warte“, murmelte Vlad, der nun auch die Nase voll hatte, „dich kriegen wir noch dran!“

Toffi und Fee seufzten leise. Sie wollten doch nur schlafen.

 

Eigentlich war Vlad der friedfertigste Vampir des Universums. Er tat keiner Fliege etwas zuleide und war sogar Vegetarier. Doch dieser Vogel belästigte nicht nur seine geliebten Hauseulen Toffi und Fee, nein, jetzt hatte das Federvieh auch noch seinen Lieblingswerwolf auf einen Igel stürzen lassen. Dass Five eigentlich aus eigenem Verschulden abgestürzt war und dass der arme Igel mehr Schaden davongetragen hatte als er, ließ Vlad geflissentlich außer Acht. Er schwor sich, dem Pirat auf seinem Balkon den Krieg zu erklären.

Eins war klar: Mit roher Gewalt war dem Störenfried nicht beizukommen. Was sie brauchten, war ein guter Plan. Mit einiger Grübelei heckten sie schließlich einen Trick aus, der funktionieren könnte. Sie bereiteten alles vor, legten sich vor der Balkontür auf die Lauer und warteten.

Es dauerte gar nicht lange, da hörten sie schon wieder das krächzende Geschrei. Pirat landete schwungvoll auf der Balkonbrüstung, plusterte sein rot, grün und gelb schillerndes Gefieder auf und sang ein entzückendes Liebeslied: „Now turn around bitch, put that ass on a nigga! Grind on his dick make it get a little bigger! Krahh!”

Five kicherte in sich hinein. „Ein echter Pirat. Der will echt immer nur Booty.“

Vlad schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Damit kriegt er meine Mädels bestimmt nicht rum.“ Zu seinem Vergnügen linsten Toffi und Fee noch griesgrämiger als sonst aus ihrem Gefieder.

Plötzlich packte Five seinen Arm. „Jetzt hör auf, Vatergefühle für deine Eulen zu entwickeln, und pass lieber auf, was der Papagei macht!“

Tatsächlich schien Pirat diesmal auf ihre Finte hereinzufallen. Interessiert beäugte er die Apfelstückchen, die auf dem Balkontisch angerichtet waren. „Gangnam Style?“, krächzte er, legte den Kopf schief und klapperte mit dem Schnabel. Den Käfig, der hoch über ihm hing und leise im Wind schwankte, beachtete er gar nicht. Dass die Balkontür nicht geschlossen, sondern nur angelehnt war, bemerkte er ebenso wenig. Stattdessen sprang er mit einem beherzten Satz auf den Tisch.

„Jetzt!“, zischte Five. Vlad ließ sofort das Seil los, das er in den Händen hielt. Der Käfig sauste hinab. Zu spät erkannte Pirat die Falle und begann zu flattern, doch da war der Käfig schon auf ihn gepoltert. Pirat schrie Zeter und Mordio, schlug mit den Flügeln, lief im Kreis und zerrte den schweren Käfig mit sich. Vor lauter Aufregung brachte er seine Songs ganz durcheinander. „Hakuna Matata, sexy Lady! Oppa, dance now!”

Während Toffi und Fee vergnügt zuschauten, stürzten sich Vlad und Five auf das bunte, zappelnde Federvieh. Mit vereinten Kräften stopften sie den Vogel samt Käfig in einen großen Kartoffelsack, was gar nicht so einfach war, ohne ihm dabei wehzutun, denn Pirat wehrte sich aus Leibeskräften und schimpfte: „Bitch! Ass! Nigga!

Endlich hatten sie den Vogel gesichert. Nun konnten sie auch wieder grinsen. „Ich bringe den kleinen Quälgeist mal lieber zum Tierheim“, verkündete Vlad triumphierend. „Auch wenn mich auf der Straße alle komisch anstarren werden, wenn mein Kartoffelsack solche unflätigen Sachen schreit…“ Vorsichtig schulterte er den Sack und schlüpfte in seine Schuhe.

Pirat schien indessen sein Schicksal akzeptiert zu haben, denn er zappelte nicht mehr und sang stattdessen: „Ooooh… Wer wohnt in der Ananas ganz tief im Meer?“

„Der hat echt ‘nen Vogel!“ Five musste lachen und zog rasch eine Jacke über. „Warte, ich komme mit. Ich will wissen, welche Songs er noch alle auf Lager hat. Das kann ich mir doch nicht entgehen lassen!“

4 Kommentare zu „#WritingFriday – Ein Pirat auf dem Balkon

  1. Hey,
    sehr unterhaltsam und lustig. Vor allem die Songauswahl für den Papageien.
    Ich kenne dein Buch noch nicht, hatte aber auch nicht das Gefühl die Protagonisten kennen zu müssen, um mich unterhalten zu fühlen.
    Ohja und danke für den Spongebob-Ohrwurm… 😉
    Grüße, Katharina.

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  2. Also zwei Dinge vornweg…
    Ich LIEBE das Wort „schuhuten“, es ist putzig und wunderbare Onomatopoesie. 😀
    Und hahaha, ausgerechnet Gangnam Style?! xD

    „Toffi und Fee seufzten leise. Sie wollten doch nur schlafen.“ – a mood!
    Sehr schöne, köstliche Kurzgeschichte und ich freue mich sehr, dass es eine Sidestory zu Raven House geworden ist! 😀
    Deine Umsetzung des Themas gefällt mir auch sehr gut, besonders aber, wie Toffi und Fee den kleinen gefiederten Piraten judgen. xD Tja, sie sind eben Ladies, da kann man nicht mit so plumpen Anmachsprüchen, bzw. Songs landen. ^^

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    1. Ich liebe das Wort „schuhuten“ auch total, das klingt so niedlich! xD
      Gangnam Style musste einfach sein! 😀
      Ja, da hätte sich der Pirat mit seinen Liebesliedern ein bisschen mehr Mühe geben können…
      Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt!

      Gefällt 1 Person

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