Lesen

Buchrezension #23 – To all the boys I’ve loved before

Buchrezension To all the boys

Hochgehypte Jugendbücher als Hörbuch scheinen sich in meinen Rezensionen zu einer richtigen Serie zu entwickeln. Hier also die nächste Folge mit „To all the boys I’ve loved before“! Ob ich mich wieder genauso aufregen werde wie bei „Zorn und Morgenröte“? Wir werden sehen …

Kategorie: Jugendbuch (Hörbuch)

Titel: To all the boys I’ve loved before

Autor: Jenny Han

Verlag: Cbj Audio

Erscheinungsjahr: 2016

Auch dieses Buch lag bereits jahrelang auf meinem imaginären SUB. Seit es verfilmt wurde (den Film habe ich allerdings noch nicht gesehen), ist es in den Sozialen Netzwerken wieder in aller Munde – und so fand auch ich, dass es endlich mal an der Zeit ist, dieses Buch anzupacken.

Zumal mich der Klappentext schon lange neugierig gemacht hatte:

Lara Jeans Liebesleben war bisher eher unspektakulär – um nicht zu sagen: Sie hatte keines. Unsterblich verliebt war sie zwar schon oft, z. B. in den Freund ihrer großen Schwester. Doch sie traut sich nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Ihre Gefühle fasst sie in Liebesbriefe, die sie in ihrer geliebten Hutschachtel versteckt. Niemand kennt ihr Geheimnis, bis zu dem Tag, als auf mysteriöse Weise alle fünf Briefe zu ihren Empfängern gelangen und Lara Jeans bisher rein imaginäres Liebesleben außer Kontrolle gerät.

Ein Mauerblümchen, das plötzlich in ein großes Liebeschaos gerät? Her damit!

Der Klappentext verspricht viel. Ich erwartete eine Geschichte mit der Struktur eines „Reverse Harems“ (also: ein Mädchen steht im Zentrum und muss sich zwischen mehreren Love Interests entscheiden) und ganz viel Liebeschaos, wenn Lara Jean plötzlich die Aufmerksamkeit von fünf Jungs erregt, in die sie verliebt ist bzw. war. Doch leider wurden meine Erwartungen in dieser Hinsicht enttäuscht: Letztendlich spielen nur zwei der Briefeempfänger eine Rolle. Die anderen kommen, wenn überhaupt, nur kurz am Rande vor, weil sie weggezogen, schwul oder schlicht nicht interessiert sind. Schlussendlich spielen die fünf Liebesbriefe für die Handlung also gar keine besondere Rolle – da hat der Klappentext etwas zu viel versprochen. Aber das heißt ja nicht, dass der Rest des Buches schlecht sein muss, stimmt’s?

Der Großteil des Buches hat mir tatsächlich sehr gut gefallen. Um sich vor den Peinlichkeiten ihrer verschickten Liebesbriefe zu retten, flüchtet sich Lara Jean in eine Scheinbeziehung mit dem Schulschwarm Peter. Und wir wissen ja alle, wie das ausgeht, wenn sich zwei, die sich eigentlich gar nicht lieben, über längere Zeit als Pärchen ausgeben … 😉 Wie sich in dieser Scheinbeziehung die Gefühle der beiden „Vertragspartner“ langsam verändern, war wirklich sehr süß. Zwar wurden manche lustigen Szenen zwischen den beiden ein bisschen zu lange und detailliert beschrieben und der Witz so lange ausgereizt, dass ich mir ein Augenrollen verkneifen musste; aber solche Albernheiten sollte man einem Jugendbuch wohl verzeihen. Ich bin vermutlich einfach alt geworden; als Jugendliche hätten mir diese Szenen wahrscheinlich gefallen.

Besonders gut hat mir auch die Darstellung von Lara Jeans Familie und ihren eigenen Familientraditionen gefallen. Der Familien-Mikrokosmos vermittelt eine so angenehme Stimmung von Wärme und Geborgenheit, dass diese Slice-of-Life-Szenen, auch wenn sie eigentlich unspektakulär waren, zu meinen liebsten Szenen gehörten.

Ein bisschen meckern muss ich aber trotzdem. Was wäre eine Rezension schließlich ohne Kritik?! Fangen wir mal an mit dem Realismus. Ich weiß, romantische Liebesgeschichten müssen nicht unbedingt immer realistisch sein. Aber da ein Großteil von „To all the boys I’ve loved before“ so realitätsnah und gerade deshalb so anrührend ist, fallen die unrealistischen Szenen / Handlungsdetails umso unangenehmer auf.

Da wäre zunächst die Protagonistin selbst. Lara Jean ist eigentlich ein typisches Mauerblümchen: Eher schüchtern und zurückhaltend, sehr häuslich und familiär. Besonders in Liebesdingen ist sie komplett unerfahren. Und dann wollt ihr mir weismachen, dass dieses Mädchen sich in einem Anflug von Panik einer Situation entziehen will und ihr nichts Besseres einfällt, als sich Peter (mit dem sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Scheinbeziehung führt) an den Hals zu werfen und ihn abzuknutschen?! Das nehm ich ihr irgendwie nicht ab. Auch in anderen Szenen verhält sie sich manchmal „out of character“, nur damit dies die Handlung vorantreibt. So ist sie beispielsweise, obwohl eigentlich ein total lieber Mensch, manchmal unangemessen gemein zu ihrer kleinen Schwester. Oder sie reagiert auf Kleinigkeiten plötzlich zickig, obwohl sie zuvor schon viel Schlimmeres locker weggesteckt hat. Oder sie fängt von einem Moment auf den anderen an, Peter zu necken, obwohl sie vorher noch total verschüchtert und verschämt vor ihm stand. Klar, dreidimensionale Charaktere sind toll, niemand mag Klischees, und auch ich finde es super, wenn ein Charakter plötzlich eine ganze andere Seite zeigt und man merkt: Wow, der/ die kann ja auch ganz anders! Aber es muss trotzdem zu dem Charakter passen, es muss sich entwickeln. Bei Lara Jean geschahen diese Wesensveränderungen jedoch so sprunghaft und übergangslos, dass man fast meinen könnte, sie habe zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Dies macht sie zuweilen unsympathisch und nicht immer nachvollziehbar.

Bleiben wir beim Realismus. Ich will noch nicht verraten, wie ihre Liebesbriefe in den Umlauf geraten sind – dazu nur so viel: die Sache ist ziemlich banal und zugleich an den Haaren herbeigezogen. Damit könnte ich mich aber noch abfinden, wenn nicht das Ende des Buches so schlimm wäre.

Oh mein Gott, DAS ENDE.

Darüber muss ich mich mal kurz auslassen. Und ich versuche, nicht zu spoilern. Ich sage nur so viel: Nach dem etwas unrealistischen Beginn des Buches folgt ein eigentlich sehr süßer Mittelteil, in den ich mich mehr und mehr verliebt habe. Ja, die Geschichte ist nicht besonders originell und vieles war voraussehbar, aber solche Geschichten braucht es manchmal auch, stimmt’s? Einfach was Süßes fürs Herz! Am Ende schienen endlich alle Probleme überwunden zu sein und sich alles in Wohlgefallen aufzulösen. Ich dachte zumindest, das Buch sei zu Ende.

Doch dann – kamen noch mehrere Kapitel.

Ich weiß nicht, wer es war – die Autorin, der Verlag, die Lektorin oder jemand ganz anderes – aber irgendjemand dachte sich offenbar: „Hm, irgendwie ist das Ende ziemlich unspektakulär. ES BRAUCHT MEHR DRAMA!“ Und dann … ja, dann bastelten sie einen Idiot Plot erster Güte. (Ab hier könnte die Rezension ein klitzekleines bisschen spoilern.) Es gibt plötzlich unnötiges Drama um nichts, eine Kleinigkeit wird zu einem Riesenproblem aufgeplustert und alles, wortwörtlich ALLES, was sich im Buch zuvor aufgebaut hatte, wird auf einmal wieder in Frage gestellt. Das Ganze ließe sich ganz einfach lösen, wenn die Protagonisten mal kurz miteinander reden würden, aber NEIN! Lara Jean kommt stattdessen auf die geniale Idee, sie müsse jetzt den Kontakt abbrechen, weil sie ja so furchtbar verletzt ist (wegen einer Sache, die sie sich zum Großteil selber einredet). Und dann kam dieses fürchterliche Klischee-Verhalten, bei dem mir die Augen vor lauter Augenrollen fast aus dem Kopf gesprungen sind (zum Glück habe ich die Geschichte als Hörbuch gehört, sonst hätte ich nicht weiterlesen können): Lara Jean ignoriert Peters Anrufe tagelang, nur um schließlich, als er seine Versuche aufgibt, ihre Meinung zu ändern und sich zu sagen: Ok, ich gebe ihm noch eine Chance, wenn er sich innerhalb der nächsten soundsoviel Tage meldet. Aber natürlich meldet er sich nicht (weil DU ihn ignoriert hast und er deinen Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden, offenbar akzeptiert, du selten hohle Nuss!!) und sie heult daraufhin herum: OMG eR liEbT miCh gAr niCHt! Anstatt sich einfach mal selber bei ihm zu melden und für ihr beschissenes Verhalten zu entschuldigen. Und dann gibt es auch noch unnötiges Geschwisterdrama …

Gaaah.

Und wieder mal wurde ein ansonsten angenehmes Buch mit einem absoluten Idiot Plot verschandelt.

Fazit:

Zwar hat der Klappentext nur sehr wenig mit der eigentlichen Handlung zu tun, und auch die Handlung selbst ist des öfteren klischeehaft und / oder unrealistisch. Wenn man sich davon aber nicht stören lässt, hat man mit „To all the boys I’ve loved before“ ein sehr süßes Buch für zwischendurch. Es ist unterhaltsam, zuweilen herzerwärmend und perfekt für gemütliche Stunden. Der Schreibstil ist leicht und angenehm, auch die Leserin des Hörbuchs macht ihren Job gut, sodass es Spaß macht, ihr zuzuhören. Mein Tipp: Wenn ihr euch viel Augenrollen ersparen wollt und Wert auf euren Blutdruck legt, dann hört genau an der Stelle auf zu lesen, wenn das Happy End eigentlich schon erreicht ist und sich alle lieb haben. LEST NICHT WEITER. Erspart euch diesen furchtbaren Idiot Plot, der ans Ende drangeklatscht wurde, nur um unnötiges Drama zu bringen. Sonst ärgert ihr euch nur und macht euch damit die ganze Geschichte kaputt.

Ein Kommentar zu „Buchrezension #23 – To all the boys I’ve loved before

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s