Schreiben

Romeo & Julian. Pizza im Lockdown (Kurzgeschichte)

Auf Instagram gibt es heute unter dem Hashtag #Kurzgeschichtenmontag folgende Schreibchallenge:

„Schreibt euer Treffen von zwei Menschen, die sich in der Corona-Zeit verliebt haben und sich nun das erste Mal treffen können.“

Normalerweise tue ich mich mit Schreibchallenges immer ein bisschen schwer, aber diesmal hat mich der Writing Prompt sofort gepackt und ich hatte direkt eine Idee im Kopf. Hier also ist meine Kurzgeschichte als Antwort darauf. Viel Spaß beim Lesen! (Und vielleicht auch beim selber Schreiben?) ^_^

***

Romeo & Julian – Pizza im Lockdown

Frustriert saß Juli auf dem Sofa und schaute irgendeinen alten Disneyfilm, ohne ihm wirklich Aufmerksamkeit zu schenken. Es war doch immer wieder dasselbe. Immer dann, wenn er gerade begann, sich zu verlieben, verschwand die betreffende Person klammheimlich aus seinem Leben.

Aber warum diesmal? Warum ausgerechnet er? Seufzend kaute Juli an einer kalten Pizzakruste. Er konnte langsam keine Pizza mehr sehen, doch er bestellte sie trotzdem jeden Tag, in der Hoffnung, dadurch ihn irgendwann wiederzusehen.

Hätte er damals doch bloß bei einem anderen Lieferservice bestellt, dann wäre er nie in dieses Schlamassel hineingeraten …

(Drei Wochen zuvor.)

Ungeduldig trommelte Juli mit den Fingern auf die Fensterbank. Endlich sah er das Fahrrad von Romeo’s Pizza Bringdienst in die Auffahrt einbiegen. Er warf das Doppelfenster auf und rief theatralisch: »Romeo!«

Der Pizzalieferant, ein junger Mann mit Mundschutz, purzelte vor Schreck beinahe vom Fahrrad. Mit quietschenden Bremsen blieb er stehen und schaute überrascht zu ihm hoch. Dann reckte er die Arme nach oben und rief ebenso sehnsüchtig: »Julian!«

Juli musste lachen. Der Typ hatte Humor! »Warte kurz, o Romeo!«, rief Juli, denn er hatte ein besonderes Gimmick für die kontaktlose Lieferung vorbereitet. Er schnappte sich den bereitgestellten Korb und ließ ihn an einem langen Seil an der Hauswand hinunter.

Der Pizzabote schaute ihm neugierig zu, wobei er sein Käppi zurechtrückte. Unter der Mütze schauten weißblonde Haarsträhnen hervor und die tiefstehende Abendsonne ließ seine Augen wie Bernsteine funkeln. Aufgrund der Atemmaske war zwar nicht viel von seinem Gesicht zu sehen, doch er sah trotzdem unheimlich attraktiv aus. »Spannendes Konstrukt«, sagte er anerkennend zu Julis Korb-Konstruktion. Er suchte den richtigen Pizzakarton aus seiner Fahrradtasche und stutzte, als er die Adresse las. Dann musste er lachen. »Moment mal – du heißt ja wirklich Julian!«

»Richtig erkannt.« Grinsend zog Juli den Korb mit der Pizza wieder hoch. »Was meinst du wohl, warum ich von allen Pizzalieferanten ausgerechnet bei Romeo bestelle?«

»Weil wir die beste Pizza haben, natürlich«, behauptete der Scherzkeks.

»Das muss ich noch herausfinden«, erwiderte Juli grinsend. Er zog den Korb herein und stellte ihn auf dem Boden ab. Die Pizza duftete verführerisch, doch sein Hunger nach menschlicher Interaktion war gerade größer als sein Hunger auf Salamipizza. Er stützte die Ellenbogen auf die Fensterbank und seufzte tief. »Ich bin vor ein paar Wochen erst hierhergezogen, und genau dann kam der Lockdown. Seitdem sitze ich hier fest«, klagte er sein Leid. »Deshalb habe ich von der Stadt noch fast gar nichts gesehen, geschweige denn von den Pizzerien!«

»Dann ist doch jetzt der perfekte Zeitpunkt, um alle Pizzalieferanten einmal auszuprobieren, oder?« Der junge Mann zwinkerte ihm zu. Dann schaute er auf seine Armbanduhr und verbeugte sich tief. »Es betrübt mich zutiefst, o holder Julian, doch ich muss nun weiterziehen!«

Juli schlug die Hände zusammen. »Ach, ist es schon soweit? Adieu, mein Romeo! Vergesst mich nicht!«

Der Lieferant warf ihm eine Kusshand zu, während er davonradelte. »Adieu, Geliebter! Lebet wohl und genießet Eure Pizza!«

Juli zupfte ein altes Taschentuch aus seiner Hosentasche und wedelte ihm herzergreifend hinterher, bis der Lieferant um eine Straßenbiegung verschwunden war. Dann zog er sich kichernd in seine Wohnung zurück und schloss die Fenster. Seine Pizza war mittlerweile nur noch lauwarm, aber das war es wert gewesen. Allein diesem Pizzaboten zuliebe würde er dort ganz bestimmt nochmal bestellen!

(Am nächsten Tag.)

»Tomas, eine neue Bestellung!« Sein glatzköpfiger Chef Olaf, der mit seinem runden, teigigen Gesicht selbst ein bisschen wie eine Pizza aussah, drückte Tomas einen Pizzakarton mit der angetackerten Rechnung in die Hand. Tomas‘ Herz machte vor Freude einen Purzelbaum, als er den Namen und die Adresse auf der Rechnung sah. »Bin sofort unterwegs«, verkündete er und sprang aufs Fahrrad.

Eigentlich brauchte er gar nicht unbedingt das Geld, das er sich als Pizzabote dazuverdiente. Doch seit die Uni wegen des Lockdowns geschlossen hatte, ging er zuhause förmlich ein vor Langeweile. Er brauchte eine Aufgabe, brauchte Bewegung an frischer Luft – und er brauchte menschliche Begegnungen. Solche wie mit diesem Julian von gestern. Tomas hatte nach ihren Albereien noch den ganzen restlichen Tag vor sich hin gegrinst. Und auch jetzt spürte er schon die gute Laune wie Seifenblasen in seiner Brust aufsteigen, als er in die Auffahrt einbog.

Kaum näherte er sich dem Haus, flog das Doppelfenster auf. »Romeo!«, trällerte Julian und griff sich dramatisch an die Brust. Heute hatte er sich sogar eine Wolldecke wie einen Umhang um die Schultern gebunden und gestikulierte theatralisch herum. »Ach, mein Sehnen nach dir wurde erhört! Ich bin ja so froh!«

»Meinst du mich oder die Pizza?«, fragte Tomas vergnügt.

»Was für eine ungeheuerliche Unterstellung!«, empörte sich Julian. Wie gestern schon hob er einen Korb über die Fensterbank und ließ ihn an einem langen Seil herunter. Er war wie der moderne und pragmatische Bruder von Rapunzel.

»Du hast meine Frage nicht beantwortet, o holder Julian!«, neckte Tomas ihn. »Sehnt sich dein Herz etwa nur nach der Pizza? Bin ich dir denn gar nichts wert? Oh, mir wird das Herz so schwer!«

Zu seiner Überraschung errötete Julian ein wenig. »Also, wenn es nach mir ginge, könntest du dich auch gleich mit in den Korb setzen und wir könnten uns hier oben die Pizza teilen.«

Erstaunt starrte Tomas zu ihm hoch. Meint er das ernst? Wenn ja: Wie süß ist das denn bitte?! Tomas legte den Pizzakarton in den Korb und beobachtete Julian, der mit hochrotem Kopf den Korb wieder nach oben zog. Er sah wirklich niedlich aus mit den dunklen Haaren und den Sommersprossen auf der Nase. Zu dumm, dass gerade Lockdown herrschte und Social Distancing angesagt war! »Julian«, rief Tomas, »wenn der Lockdown irgendwann wieder vorbei ist … wollen wir uns dann mal treffen und ich führe dich ein bisschen in der Stadt herum?«

Julian schaute ihn mit großen Augen an, bevor sich ein Lächeln auf sein Gesicht stahl. »Ja … ja, sehr gerne!«

Tomas grinste erfreut (was Julian natürlich wegen der Gesichtsmaske nicht sehen konnte) und winkte ihm zum Abschied zu.

»Warte, wie heißt du eigentlich?«, rief Julian ihm hinterher.

Tomas überlegte kurz. Doch weil ihm das Spiel so gut gefiel, rief er zurück: »Nenn mich einfach weiterhin Romeo!«

Julian lachte nur und verschwand kopfschüttelnd in seiner Wohnung.

(Eine Woche später.)

Besorgt runzelte Julian die Stirn, als er seinen Kontostand überprüfte. Diese täglichen Pizzabestellungen gingen ganz schön ins Geld. Doch ein Ende des Lockdowns war noch immer nicht in Sicht, und er wollte um keinen Preis auf die täglichen Besuche seines Romeos verzichten.

Er musste lächeln, als er an den jungen Mann dachte, der ihm jeden Abend seine Pizza brachte. Er kannte noch immer nicht seinen richtigen Namen und hatte noch nie sein ganzes Gesicht gesehen … doch dafür wusste Juli, dass er witzig und charmant war, und das war doch viel wichtiger.

Und dass er ein genauso großer Disney-Fan war wie Juli, war ebenfalls ein großer Pluspunkt. Vor ein paar Tagen hatte Juli spontan A Whole New World angestimmt, als er die Fenster aufriss, und Romeo hatte sofort voller Elan mitgesungen.

Seitdem hatten sie schon mehrere Disney-Balkonszenen-Songs im Duett geträllert (und sich nicht darum geschert, dass Julis Nachbar von seinem Balkon blökte, sie sollten die Klappe halten). Juli hatte festgestellt, dass Romeo nicht nur erstaunlich textsicher war, sondern auch eine ziemlich schöne Singstimme hatte. Und obwohl sie, abgesehen von diesen kleinen Gesangseinlagen, stets nur wenige Worte miteinander wechseln konnten, bevor Romeo weiterfahren musste, flatterte Julis Herz stets vor Vorfreude, wenn er am Fenster auf ihn wartete.

Ja, er würde diesen täglichen Singvogel vermissen. Aber es ging nicht anders. Er würde von nun an nur noch einmal, maximal zweimal die Woche bei Romeo’s Pizza Bringdienst bestellen können, sonst ging sein ganzes Geld dafür drauf. Aber … vielleicht konnten sie sich ja Sprachnachrichten schicken. Juli kritzelte seine Handynummer auf einen Zettel und legte ihn in den Korb. Als er aus dem Fenster schaute, sah er auch schon das Fahrrad in der Auffahrt auftauchen. Perfekt, genau rechtzeitig! Sofort band sich Juli wieder seine Kuscheldecke wie einen Umhang um die Schultern, riss die Fenster auf und begann inbrünstig Let It Go zu schmettern.

Doch seltsamerweise stimmte Romeo diesmal gar nicht mit ein. Und als der Pizzalieferant den Kopf hob, sah Juli auch, warum. Der Refrain blieb ihm vor Schreck in der Kehle stecken. Das war überhaupt nicht sein Romeo! Stattdessen schaute ein Paar unbekannter blauer Augen zu ihm hoch. Von Scham gepackt, knallte Juli die Fenster zu, zog die Vorhänge vor und versteckte sich mit glühendem Gesicht. Sowas Peinliches! Er ignorierte sogar das Klingeln des Pizzaboten.

Erst eine halbe Stunde später wagte er sich das Treppenhaus hinunter. Die Thunfisch-Pizza, die der Lieferant vor die Haustür gestellt hatte, war mittlerweile kalt. Doch das war seine kleineste Sorge. Wie sollte er Romeo nun seine Nummer geben?

Es gab nur eine Möglichkeit: Er musste morgen wieder eine Pizza bestellen, Geld hin oder her.

Doch auch am nächsten Tag wurde sie von einem unbekannten Lieferboten gebracht. Und am Folgetag ebenso. Und am Tag darauf. Irgendwann nahm Juli all seinen Mut zusammen und fragte den Fremden, was eigentlich aus dem Lieferboten geworden war, der ihn zuvor immer beliefert hatte.

»Wen meinst du?«, kam die Rückfrage.

Wenn er doch nur seinen Namen wüsste! Juli versuchte, Romeo bestmöglich zu beschreiben. Doch bei dem Lieferservice arbeiteten viele junge Männer mit seiner Haar- und Augenfarbe, daher erntete Juli nur unbestimmtes Schulterzucken.

Einige Wochen später wurde der Lockdown endlich aufgehoben. Die Pandemie war zwar noch nicht vorbei, doch wenigsten öffneten die Geschäfte wieder, und auch das neue Semester in der Uni sollte bald beginnen. Dennoch bestellte Juli weiterhin bei Romeo’s Pizza Bringdienst, so oft es sein Kontostand zuließ. Er konnte zwar langsam keine Pizza mehr sehen, doch er wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben, Romeo wiederzusehen.

Auch wenn er fürchtete, dass es mittlerweile höchst unwahrscheinlich war. Warum nur wollte Romeo ihn nicht mehr sehen? Was hatte er falsch gemacht?

(Tomas)

Er kniff die Augen gegen das ungewohnt helle Sonnenlicht zusammen und atmete tief den Duft des Frühlings ein. Süße Freiheit, du hast mich wieder! Endlich durfte er seine Wohnung wieder verlassen, in die er wochenlang eingesperrt worden war! Und er wusste auch schon genau, wohin sein erster Weg in Freiheit führen würde. Denn da gab es jemanden, bei dem er sich dringend entschuldigen musste.

(Julian)

Juli traute seinen Ohren kaum. Sang da draußen jemand A Whole New World? Sofort eilte er ans Fenster. Tatsächlich! Er riss die Fenster auf und rief: »Romeo!«

Der Angesprochene verstummte und schaute zu ihm hoch. Sein Gesicht leuchtete auf. Er war es! Juli erkannte ihn sofort, auch wenn er diesmal weder Käppi noch Atemmaske trug. Sein Gesicht endlich vollständig zu sehen, ließ Julis Atem stocken und sein Herz schneller schlagen. Zwar hätte er auch einen Narren an Romeo gefressen, wenn er nicht so bildschön gewesen wäre – aber dieses markante Kinn und der sinnliche Mund brachten ihn völlig aus dem Konzept.

»Julian!«, rief Romeo, der sich scheinbar gar nicht bewusst war, was für eine Wirkung er auf ihn hatte. »Ich dachte schon, du lässt mich hier noch länger schmoren! Ich habe schon zwei Strophen gesungen, und ich glaube, wenn ich noch länger gesungen hätte, hätte dein Nachbar mir den Kopf abgerissen …«

»Was?! Du hast mich ja wohl schmoren gelassen! Wochenlang!«, schnaubte Juli empört, auch wenn es ihm äußerst schwerfiel, Romeo noch böse zu sein. Er war einfach so froh, dass er wieder hier war! »Wo hast du eigentlich die ganze Zeit gesteckt? Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr wieder …«, sagte er leiser.

»Es tut mir wirklich leid! Ich war krank und durfte das Haus nicht mehr verlassen«, erklärte Romeo. Verlegen fuhr er sich durchs hellblonde Haar, das aus Friseurmangel bereits einen dunklen Ansatz zeigte.

Juli schnappte erschrocken nach Luft. »Krank? Hattest du Corona?«

»Nein, nein! Ich war nur erkältet. Aber es hat ewig gedauert, bis die Testergebnisse da waren.« Er grinste hoffnungsvoll zu Juli hoch. »Aber ich bin negativ, also darf ich jetzt endlich wieder rausgehen. Und ich dachte … vielleicht könnten wir jetzt unsere kleine Stadtführung machen?«

»Ich würde gern, aber … ist das wirklich eine gute Idee?«, fragte Juli besorgt. »Man soll doch immer noch zu Hause bleiben, wenn möglich …«

Romeo winkte ab. »Keine Sorge, wir halten uns von Menschenmassen fern. Außerdem sind wir doch beide gesund, oder? Ich wurde gerade getestet und du hast dich seit Ewigkeiten zuhause verbarrikadiert. Also komm schon! Ohne Sonne und frische Luft wird man doch auch irgendwann krank!«

Juli musste lächeln. Wahrscheinlich hatte er Recht. »Also gut. Aber nur unter einer Bedingung! Ich will deinen richtigen Namen wissen. Und deine Handynummer!«

Romeo grinste erleichtert. »Ich heiße Tomas. Und meine Nummer bekommst du erst, wenn du runterkommst!«

»Okay, bin schon unterwegs«, kicherte Juli. Er bat Tomas, kurz zu warten. Dann zog er eine Jeans und einen Mundschutz an und eilte nach unten.

Tomas hob verwundert eine Augenbraue – eine scheinbar beiläufige Geste, die jedoch unerhört attraktiv an ihm aussah. »Wozu der Mundschutz? Wie gesagt, ich bin clean …«

»Ich weiß! Ich habe nur gemerkt, dass er auch ein bisschen gegen Pollen hilft«, erklärte Juli. »Also dann, Romeo … wohin entführst du mich als Erstes?«

Tomas grinste und griff wie selbstverständlich nach Julis Hand, während sie langsam losschlenderten. »Wie wär’s, wenn ich dich als Erstes auf einen Snack einlade? Du hast schon so viel Pizza bei uns gekauft … ich habe das Gefühl, da bin ich dir was schuldig.«

»Oh, aber bitte nicht noch mehr Pizza!«, ächzte Juli sofort. »Du glaubst gar nicht, wie viel Pizza ich in letzter Zeit verdrückt habe. Jeden Tag habe ich bei euch bestellt, weil ich immer gehofft habe, dich wiederzusehen …« Er brach ab und spürte, wie er errötete. Das hatte er Tomas eigentlich gar nicht so direkt sagen wollen.

Tomas blieb überrascht stehen und schaute ihn an. Seine braunen Augen waren plötzlich ganz weich. »Ist das wahr? Nur wegen mir?«

»Ja«, gestand Juli und zog die Schultern hoch. »Ich weiß, ziemlich unvernünftig, so viel Geld dafür auszugeben … aber ich wusste einfach nicht, wie ich dich sonst wiederfinden sollte.«

Tomas‘ Blick schmolz wie Schokolade in der Sonne. Er atmete langsam aus. Dann griff er nach Julis Mundschutz und löste die Gummibänder vorsichtig von seinen Ohren. »Weißt du, was noch viel unvernünftiger ist?«, fragte Tomas leise.

Juli konnte nicht antworten. Tomas so nahe zu sein, versetzte jedes Molekül in seinem Körper in Schwingungen. Seine Lippen begannen zu kribbeln, als Tomas‘ Atem darüberstrich. Dann küsste Tomas ihn, und Juli trank den Kuss wie ein Verdurstender das Wasser. Das ersehnte Gefühl, endlich wieder einem Menschen nahe zu sein – nein, Tomas nahe zu sein – perlte wie ein Lebenselixier durch seinen Körper, bis in die Fingerspitzen. Als sie sich wieder voneinander lösten, fühlte er sich wie neugeboren. »Das sollten wir öfter tun«, flüsterte Juli.

Tomas lachte leise. »Und so verführte Romeo den schönen Julian …«

Weiter kam er nicht, denn Juli wurde plötzlich von einem Niesanfall gepackt und nieste lautstark in seine Armbeuge. »Argh. Tut mir leid. Die Pollen.« Er zog sich die Gesichtsmaske wieder über und schaute Tomas über ihren Rand entschuldigend an.

»Da müssen wir uns wohl nächstes Mal lieber drinnen treffen. Entweder in deiner oder meiner Wohnung«, sagte Tomas so beiläufig, als wäre es ganz normal, dass sie sich ab jetzt besuchen würden. »Und dann gucken wir zusammen Disneyfilme.«

»Gute Idee!« Juli musste lachen. Und dabei küssen wir uns die ganze Zeit, weil wir die Filme eh schon auswendig können, fügte er in Gedanken hinzu. Sein Herz hüpfte, als hätte er ein Trampolin verschluckt.

»Aber jetzt erstmal Sushi!«, schlug Tomas vor. »Gegen Sushi bist du doch hoffentlich nicht allergisch, oder?«

Juli schüttelte begeistert den Kopf. »Nein, ich liebe Sushi!«

»Perfekt. Dann lade ich dich ein, wir holen uns Sushi to go und setzen uns damit auf meine Lieblingsbrücke am Fluss. Und danach zeige ich dir meine anderen Lieblingsplätze in der Stadt. Abgemacht?«

»Abgemacht.« Diesmal war Juli derjenige, der nach Tomas‘ Hand griff. Tomas lächelte ihn an und Juli wurde wieder ganz warm und kribbelig, doch diesmal kam das Kribbeln nicht vom Heuschnupfen. Seite an Seite spazierten sie die sonnenüberflutete Straße entlang. Sie verschränkten ihre Finger miteinander und es fühlte sich einfach nur richtig an.

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