Bücherwelt

Gastbeitrag 7/12 – Raining Day

Wie bereits angekündigt, möchte ich dieses Jahr zwölf Gastbeiträge von anderen Büchermenschen auf meinem Blog veröffentlichen, jeden Monat einen. (Alle weiteren Infos zu dieser Aktion und die bisherigen Gastbeiträge findet ihr hier. )

Heute gibt es den Juli-Gastbeitrag! Die liebe Bücherflocke (hier geht’s zu ihrem Blog) hat dafür einen unterhaltsamen Text geschrieben. Viel Spaß!

***

Raining Day

Die grauen Regenschleier draußen freuten unseren durstigen Garten und mich.

Denn Regen meinte, ganz klar: Filme anschaun.

Erwartungsfroh rollte ich mich vor meinem kleinen Rechner zusammen und loggte mich bei Fletnix ein.

Ich stöberte ein bisschen und entschied mich dann für einen dieser harten Polizei-Filme, Gangsta, Cops, Schusswechsel, Drogen in großen Tüten, eigentlich gar nicht mein Fall. Die beiden schmucken Hauptdarsteller dafür aber umso mehr. Und bei den brutalen Szenen könnte ich ja ganz oldschool einfach die Augen zumachen, nahm ich mir vor. Ich stellte also deutsche Untertitel ein und folgte den Cops in den Straßenkampf.

Nach einer törichten halben Stunde voller Gangsta, Cops, Schusswechsel, Drogen in großen Tüten und deutschen-Alter-was-geht-ab-wie-läufts-bei-euch-Mann-Untertiteln geschah etwas mit dem Sprachzentrum meines Gehirns. Alter.

Als Gegenmittel trank ich ordentlich von diesem japanischen Angeber-Whisky aus dem Vorrat, den mein Mann für streng geheim hält, aber Alter, was bleibt in einer Ehe schon geheim, Mann.

Dann klingelte es draußen. Post für mich. Der Paketbote stand mit einem großen Karton ungeduldig vor unserer Haustür, ach ja, ich hatte Anfang der Woche neue Hausschlappen bei Dirk&Bock bestellt, Dunkelblau, Spezial-Fußbett. „Alter was läuft!“ rief ich dem Paketboten zu. Ich musste auf so einem technischen Dings unterschreiben, das brauchte ein paar Anläufe, und dann verschwand der Paketbote verdächtig schnell in seinem gelben Auto und trat aufs Gas. Alter.

Oben in der Wohnung schaltete ich den Film auf Halt und wickelte dann eifrig meine neuen Schlappen aus dem knusprigen Einwickelpapier. Schönes Blau. Aber das Fußbett, Alter! Wieder falsch. Ich brauchte Spezial Plus, nicht einfach nur Plus, Plus ist was anderes, und Dirk&Bock, natürlich, hatte das wieder nicht kapiert, ohne mich, Mann, somebody drop this fool for me! Ich rief den Kundendienst an, bei Reklamationen und/oder Fragen zu Ihrer Bestellung drücken Sie bitte die zwei, und wie ich eine Frage hatte an die Penner, also zwei.

„Habt ihr Tomaten auf den Augen, Alter!“ rief ich, als bei Dirk&Bock endlich jemand den Hörer abnahm. „Können Sie die Häkchen in den Kästchen für den Fußbett-Typ Spezial Plus in Ihrem eigenen Bestellformular nicht erkennen?“ Wow. Aber mehr konnte dann doch nicht sagen, weil eine verspätete Nobel-Whisky-Welle träge, aber gewaltig durch mein Hirn schwappte.

„Vielleicht nennen Sie mir erst einmal Ihre Kunden-Nummer,“ sagte der Typ von Dirk&Bock. Ich legte auf.

Dann dröhnte der Film plötzlich mit quietschenden Reifen wieder los, dass ich einen ziemlichen Hopser tat, Alter, diese Pausen-Funktion, und unser schmales Wohnzimmer füllte sich bis zum Rand mit amerikanischen Stimmen, Gangsta, Cops, die Frauen der Gangster und die Frauen der Cops, ewig in der Nebenrolle wie im Leben sicher auch, Mann. Eines Tages drehe ich einen Film, und die Frauen werden tragende Rollen spielen und cool sein und harte Sprüche bringen und die Kerle werden zu Hause auf sie warten und zittern, ob sie wohl diesmal zurückkommen. Wobei das vom Spaßfaktor her auch wieder nichts ist, Filme ohne coole Kerle in der Hauptrolle, die einem den Schlaf rauben, das bringt es ja irgendwie auch nicht, Alter, und Denzel Washington redete Ethan Hawke gut zu, der sich erstmal setzen musste nach einem schrecklichen Einsatz, und ich schob mühsam meine Fächerzehen in die engen neuen Schlappen, trank nochmal was und musste mich auch erstmal setzen.

Dann war der Film vorbei. Ich starrte in den Regen, so viel Wasser. Alter.

Mein Mann kam nach Hause.

„Nichts übertrifft die Schönheit eines Wolkenhimmels, wenn das schwere Grau sich in melancholischen Mustern über den Horizont schiebt, langsam, wie tief im Traum!“ rief ich ihm zu.

„Schweres Blau wohl eher, Schatz“ sagte er und nahm mir die Whisky-Flasche weg. „Du hattest es ja schön gemütlich hier. Ich musste mir mit meinen Kumpelz so einen blöden Polizei-Film auf Fletnix antun, viel zu gewalttätig und die Frauen natürlich schmückendes Beiwerk in Nebenrollen. Hollywood halt. Aber ich hab sowieso nur die Hälfte verstanden, weil die nicht mit Untertiteln gucken wollten. Und bei dir so?“

„Ich wollte mir gerade neue Hausschlappen bei Dirk&Bock bestellen,“ murmelte ich.

***

Die Verfasserin

Die Bücherflocke bloggt seit ein paar Jahren, ich habe damit angefangen, weil ich einfach gern schreibe, besonders Analysen von Büchern, da kann ich auch gleich testen, ob noch was von meinem Literatur-Studium hängengeblieben ist, und gerne auch Texte einfach so.

In Zukunft plane ich vielleicht noch Filme oder Serien zu besprechen, je nachdem, wieviel Zeit mir bleibt.

Ich wohne im Süden Deutschlands auf dem Land in einem kleinen Haus mit Mann und Kind, grabe in meiner Freizeit viel im Garten oder schaue Filme oder lese. Ein bisschen mehr Sport treiben wäre sicher gut, haut aber irgendwie doch nie hin. Beruflich bin ich selbstständig, halte mir aber immer den Plan B als wilde, verwegene, subversive Bloggerin warm.

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