Bücherwelt

Gastbeitrag 9/12 – Francis Bergen: Wenn andere dir sagen, was du schreiben sollst

Wie bereits angekündigt, möchte ich dieses Jahr zwölf Gastbeiträge von anderen Büchermenschen auf meinem Blog veröffentlichen, jeden Monat einen. (Alle weiteren Infos zu dieser Aktion und die bisherigen Gastbeiträge findet ihr hier. )

Heute gibt es den September-Gastbeitrag! Diesmal ist der Autor Francis Bergen am Start. (Sein Fantasy-Roman „Die zweite Seele“ ist übrigens sehr zu empfehlen, und sobald ich endlich mit all dem Uni- und Umzugsstress fertig bin, werde ich dazu auf jeden Fall noch eine Rezension schreiben). Jetzt aber erstmal viel Spaß beim Lesen!

***

Wenn andere dir sagen, was du schreiben sollst

Für die meisten Autoren wäre es unvorstellbar, nach den Vorgaben anderer Menschen zu schreiben. Und ich kann das verstehen: Es ist dein kreativer Prozess, es ist deine Geschichte, da sollte dir wirklich niemand reinquatschen, Punkt.

Aber halt! Hör mich an.

Auch ich käme niemals auf die Idee mein Herzensprojekt von jemand anderem konzipieren zu lassen. Der Roman in dessen Weltgestaltung ich Monate gesteckt habe, Charaktere die mir ans Herz gewachsen und Szenen, die mir ins Blut übergegangen sind, noch bevor ich sie geschrieben habe, in fremder Hand? Undenkbar. Als ob da irgendwer was mitzureden hätte, weder Freunde noch die anonymen Besucher einer Webseite.

Nur muss das nicht heißen, dass es nicht den richtigen Rahmen für Input von außen gibt.

Wenn es euch ein bisschen wie mir geht, habt ihr mehr Ideen als Zeit, mehr Plotbunnies zu jagen als Schreibschrot zum Verschießen. Die Auswahl kann man selbst treffen, und in aller Regel tue ich das auch, – oder anderen die Bürde auferlegen. Vor drei Jahren beispielsweise habe ich die Besucher meiner Webseite abstimmen lassen, welche meiner Ideen ich für den NaNoWriMo 2017 verwenden soll. Dieses Jahr mache ich es wieder. Dabei treffe ich eine Vorauswahl und umreiße meine Gedanken kurz (viel mehr gibt es zu den Manuskriptideen bis dahin gewöhnlich nicht) damit die Besucher eine passable Idee von der Geschichte bekommen, die ich schreiben könnte. Dann wird anonym abgestimmt und damit mein Projekt für den November festgelegt. Später gebe ich noch mehr Einfluss, beispielsweise haben 2017 die Leser über den Namen meiner Protagonistin entschieden und bestimmt welche Nebenhandlung ich in die Geschichte einbaue. Was es dieses Jahr wird, hängt davon ab, welche Idee ich verwirklichen darf.

Um dem Thema noch eins drauf zu setzen, habe ich zwischen Juli 2018 und Juni 2019 eine Fortsetzungsnovelle in 12 Teilen im „Choose your own adventure“-Stil geschrieben. Jeden Monat kam ein neuer Teil raus, jeden Monat mit einer offenen Frage deren Beantwortung ich den Lesern überlassen habe. Das hieß, dass ich für jeden neuen Teil nur ungefähr drei Wochen Zeit hatte, weil ich ja auf das Ergebnis der Umfrage warten musste. (Die letzten drei Teile habe ich dann ohne Umfrage gemacht, damit ich ein konsistentes Ende schreiben konnte)

Was soll das nun alles? Ist der Kerl einfach verrückt, dass er sich so in sein Handwerk reden lässt? Nein. Ich sehe es als spannende, kreative Herausforderung. Ein bisschen Improvisieren, ein bisschen Planen und trotzdem in der Lage sein auf die Einwürfe von außen zu reagieren, irgendwo dazwischen liegen Spaß und Abwechslung – und so viele neue Erfahrungen. Deswegen rate ich dir: Versuch es auch einmal! Lass dir von anderen sagen, worum es in deiner Geschichte geht oder was darin vorkommt, oder wie sich ein Charakter entscheidet.

Und wenn dieser harte Eingriff in deinen kreativen Prozess dir noch immer zu viel ist, wie wäre es mit Schreib-Prompts? Lass dir Schlagworte auf Twitter nennen oder inspirierende Bilder auf Instagram schicken, angeregte Diskussionen in einem Schreibforum oder ein Zufallsgenerator auf einer Webseite – es gibt so viele Möglichkeiten. Schreib eine Kurzgeschichte oder eine Novelle, schreib für die Öffentlichkeit oder nur für deine Schublade. Das Schreiben ist es doch, was uns durch die Adern fließt, und wenn wir uns selbst herausfordern aus unserer Komfortzone zu kommen, können wir nur wachsen.

Denk drüber nach.

Francis Bergen

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Der Verfasser

Francis Bergen, 1984er Mathematiker und Autor aus Oberhausen, bezieht seine kreative Energie aus seiner unstillbaren Neugier. Seit seiner Jugend schreibt er Kurzgeschichten und Gedichte aus einem breiten Genrespektrum, wendete sich allerdings erst 2014 längeren Werken zu.

Social Media

Webseite: francisbergen.de

Twitter: @AutorFBergen

Facebook: AutorFrancisBergen

Instagram: AutorFrancisBergen

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