Schreiben

Die Freiheit des Selfpublishings (ohne die es meine Bücher nicht gäbe)

Heute mache ich zum ersten Mal beim #Selfpublisherthursday mit, der auf Instagram von @suechtignachbuechern und @fuchsmaedch_en ins Leben gerufen wurde. Es geht um die Frage, wie wir die Freiheit des Selfpublishings nutzen. Ich muss dazu ein bisschen ausholen. Achtung: Dieser Post könnte ein wenig emotional werden, denn ich möchte kein Blatt vor den Mund nehmen. Wir sind ja unter uns, stimmt’s? 😉

Machen wir zunächst eine Zeitreise zurück ins Jahr 2019.

Meinen Erstling „Raven House“ wollte ich eigentlich in einem Verlag veröffentlichen. Nachdem ich aber von mehreren Verlagen und Agenturen Absagen erhalten hatte, war ich am Boden zerstört. Denn die Begründung lautete jedes Mal: Gut geschrieben, spannende Story, aber der Vampirboom ist vorbei, das kauft niemand mehr, und überhaupt, Gay Romance, das ist sooo ein Nischenthema! Also wenn es nur Vampire wären ODER Gay Romance, damit könnte man vielleicht mit viel Glück noch einen Verlag finden; aber Vampire UND Gay Romance, nee, vergiss es, keine Chance!

So etwas von Experten aus der Branche zu hören, war für mich der Super-GAU. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nichts von den Möglichkeiten des Selfpublishings und der Kleinverlage. Ich wollte in einen großen oder mittelgroßen Publikumsverlag, weil ich dachte, das sei die Messlatte des Erfolgs. Jahrelang hatte ich mir von Schreibratgebern einreden lassen, dass man nur gut und unterhaltsam schreiben müsse, um erfolgreich zu sein. Ganz nach dem Motto: Jedes gute Buch findet einen Verlag. Nun hatte ich ein gutes Buch und kein Verlag wollte es haben – nur, weil es nicht in den Mainstream passte.


Ich dachte, ich müsste meinen Traum vom Schreiben begraben.

Denn bevor ich mir diktieren lasse, was ich zu schreiben habe, schreibe ich lieber gar nicht mehr. Ich war ziemlich traurig und wütend, aber ich dachte, wenn ich das Buch nun schon fertig habe, kann ich es zumindest im Selfpublishing veröffentlichen. Ich erhoffte mir nichts davon, aber wollte es wenigstens einer kleinen Anzahl an Leser*innen zugänglich machen.

PLOT TWIST: „Raven House“ verkaufte sich allein in den ersten vier Monaten 296 mal, außerdem wurde es während einer Gratisaktion 938 mal heruntergeladen und über Kindle Unlimited wurden im selben Zeitraum 262.000 Seiten gelesen. Ich schreibe das alles nicht, weil ich mit meinem „Erfolg“ (der im Vergleich mit anderen Selfpublishern immer noch ziemlich klein ist) angeben will. Sondern einfach, um zu zeigen, dass es sehr wohl viele Leser gibt, die sich auch (und gerade!) für Nischen-Bücher interessieren. Und um ein herzliches [Zensur-Pieps] an alle zu senden, die unerfahrenen jungen Autor*innen einreden wollen, der Mainstream sei Gesetz. Wie viele Autor*innen wurden dadurch schon entmutigt? Wie viele großartige, originelle Bücher verhindert?

Inzwischen bin ich froh, ins Selfpublishing gegangen zu sein.

Seit Raven House habe ich noch zwei weitere Bücher und eine Kurzgeschichte veröffentlicht und ich pfeife darauf, dass sie niemals im Einheitsbrei der Spiegel-Bestsellerliste landen werden. Für mich zählt nur noch, welche Geschichten ich wirklich schreiben will. Wir Selfpublisher und unabhängigen Kleinverlage sind die Rebellen des Buchmarkts. Wir schreiben und verlegen nicht das, was schon zigtausendmal durchgekaut wurde, nur weil es Geld bringt. Wir produzieren die Bücher, die uns am Herzen liegen, die uns begeistern und die uns wichtig sind. Das ist für mich die Freiheit des Selfpublishings!

2 Kommentare zu „Die Freiheit des Selfpublishings (ohne die es meine Bücher nicht gäbe)

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