Bücherwelt

Gastbeitrag von Tanja Hanika. Autor:innen und Rezensionen – Ein Spannungsverhältnis

Ich habe schon lange keine Buch-Rezensionen mehr auf meinem Blog gepostet (was vor allem daran liegt, dass ich in letzter Zeit leider nur wenige Bücher gelesen habe), aber keine Sorge, das wird sich bald ändern! Einige Bücher stehen schon in der Warteschlange und warten nur darauf, dass ich die Zeit finde, sie zu rezensieren.

Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass Tanja mich vor kurzem anschrieb und fragte, ob ich Interesse an einem Gastbeitrag zum Thema Buchrezensionen hätte. Perfektes Timing! Daher vielen Dank, Tanja, für diesen Blogpost!

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Autor:innen und Rezensionen – Ein Spannungsverhältnis

Ein Gastbeitrag von Tanja Hanika

Was das Thema Rezensionen angeht, gibt es (mindestens) zwei Lager: Manche Autor:innen  möchten generell keine Bewertungen zu den eigenen Büchern lesen. Andere Schreiberlinge halten es für wichtig, sich mit Rezensionen zu den eigenen Büchern auseinanderzusetzen.

Zunächst einmal können verschiedene Arten von Rezensionen unterschieden werden:

1. Falscher Bezug:

Der Kunde beschwert sich, dass die Versandverpackung kaputt war, hat das Buch noch nicht gelesen, verteilt aber für diese Unverschämtheit schon einmal nur einen Stern. Der/die Autor:in profitiert nur dann davon, dieses Feedback zu lesen, wenn er/sie selbst für den angegebenen Mangel zuständig ist, was selten der Fall sein dürfte.

2. Falsche Vorwürfe bzw. fehlerhafte Bewertung:

Anders verhält es sich mit unberechtigten Vorwürfen: Fehler, die angeblich im Text stecken, was aber bei sachgemäßer Prüfung/rein objektiv nicht der Fall ist. Das können Handlungsdetails sein, die angeblich falsch wären oder Schreibfehler, die vermeintlich darin stecken.

Die potenziellen Leser verlassen sich auf die Richtigkeit der Aussagen von Bewertungen und

Autor:innen haben oft kaum die Möglichkeit, das richtig zu stellen. Ein ungeschriebenes Gesetz lautet nämlich: Antworte niemals auf Rezensionen. Vor allem nicht auf negative!

Dieses Feedback ist daher tatsächlich ein Ärgernis, das einen sehr belasten kann, gerade da es fälschlicherweise vorgetragen wurde.

3. Lob und/oder Kritik – Subjektiver Geschmack:

Natürlich sind positive Rezensionen eine Freude und negative muss man oft einmal sacken lassen.

Aber abgesehen davon, dass Geschmäcker unterschiedlich sind, zeigen Bewertungen in höherer Zahl eine Tendenz, wie die Allgemeinheit der Leser:innen den Text wohl einstuft und wahrnimmt. Kommen viele negative oder positive Bewertungen zu denselben Aspekten zusammen, kann man als Autor:in schon annehmen, dass viele weitere Leser:innen zu einer ähnlichen Einschätzung der Geschichte gelangen. Hier kann man also erfahren, in welchen Bereichen man entweder Feinschliff an den eigenen Fertigkeiten üben kann, oder wo man schon besonders glänzt.

4. Objektive Kritik:

Neutral, vielleicht sogar freundlich formulierte objektive und konstruktive Kritik kann Autor:innen sehr weiterhelfen. Dazu zählen nicht nur Hinweise bezüglich Tippfehler/Rechtschreibung, sondern vor allem auch zu Plotlöchern, Logikfehlern oder zu sachlich falschen Darstellungen. Trotz ausgiebiger Recherche, eigener Überarbeitung und Korrektorat sowie Lektorat kann es passieren, dass ein Fehler übersehen wird. Mithilfe von objektiver Kritik können solche Fehler künftig umgangen, vielleicht sogar durch eine neue Auflage im Buch selbst behoben werden.

Lohnt es sich dann für Autor:innen, sich mit Rezensionen zu befassen? Ist es unerlässlich oder sollte es vermieden werden?

Ich persönlich lese alle Rezensionen zu meinen Büchern – positive wie negative. Denn aus ihnen wird ähnlich wie in einer Leserunde deutlich, was die Leser:innen erwartet haben und wie sie welche Teile der Geschichte bewerten. Neben handwerklichen Punkten erfahre ich, wie meine Geschichte generell ankommt. Ich kann nur dann für eine Zielgruppe schreiben, wenn ich diese gut kenne. Wenn ich weiß, was sie von meinen Texten hält, ist das für mich wie ein Ass im Ärmel. So kann ich Lesererwartungen besser einschätzen und damit spielen, es schärft aber zusätzlich auch meinen Blick für eigene Schwächen.

Natürlich können schlechte Bewertungen einen aus dem Takt bringen und Selbstzweifel wecken. Und ganz bestimmt verkraftet nicht jede:r zu jedem Zeitpunkt solche Kritik. Aber man schreibt für ein möglichst genau definiertes Zielpublikum, und daher ist mir die Meinung dieser Menschen auch besonders wichtig. Diese Kritik zu durchdenken, auch wenn es schmerzt, kann einen weiterbringen. Ich möchte mir jedenfalls nicht nur die positiven Rezensionen durchlesen, weil ich denke, dass das zu einem falschen Selbstbild führen könnte. Aber da kann ich nur für mich sprechen.

Es gibt unzählige Arten, sich zu verbessern und mit dem Beruf als Autor:in umzugehen. Wenn also jemand sich nicht mit Rezensionen beschäftigen möchte, dann muss auch das akzeptiert werden. Leser:innen/Rezensent:innen haben keinen Anspruch darauf, dass sich Autor:innen mit ihrem Feedback auseinandersetzen. (Außer vielleicht, es war eine beauftrage Rezension.) Wer sich verbessern will, lernt viel durch ein Lektorat, durch Schreibratgeber, Austausch mit Kolleg:innen und vor allem durch das Schreiben selbst. Falls (negative) Bewertungen außerhalb der Wohlfühlzone liegen oder als zu subjektiv betrachtet werden, um daraus etwas zu lernen, dann ist auch das zu respektieren.

Übrigens: Rezensionen richten sich üblicherweise gar nicht an die Autor:innen, sondern an die potentiellen Leser:innen. Vor allem ihnen sollen sie einen Eindruck vom Buch verschaffen und nicht (primär) als Rückmeldung an den/die Autor:in dienen.

Alles in allem wird deutlich, dass es zurecht diese beiden Lager gibt. Sowohl das Lesen als auch das Nichtlesen von Rezensionen kann seine Gründe und Berechtigung haben. Jede:r Autor:in muss hier einen eigenen Weg finden.

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Die Verfasserin

Foto: D. Pfingstmann

Tanja Hanika ist Autorin von Horror- und Schauerromanen und Verfasserin vom »Arbeitsbuch für Schriftsteller« sowie vom »Ideenbuch für Schriftsteller«. Geboren wurde sie 1988 in Speyer, studierte in Trier Germanistik und zog anschließend in die schaurig schöne Eifel, wo sie mit Mann, Sohn und Katze lebt.

Seit sie mit acht Jahren eine »Dracula«-Ausgabe für Kinder in die Hände bekam, schreibt und liebt sie Gruselgeschichten, die sie nun als überzeugte Self-Publisherin veröffentlicht.

Links:

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